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Gemeinde engagiert sich in der frühen Förderung von Kindern

Der Gemeinderat Adligenswil hat eine Strategie zur frühen Förderung von Kindern in Adligenswil verabschiedet. Angesprochen sind Familien mit Kindern im Vorschulalter. In den nächsten fünf Jahren wird eine Vielzahl von Massnahmen umgesetzt.

Kinder werden in Adligenswil schon heute früh gefördert, doch ist die Förderung unkoordiniert, unstrukturiert und abhängig von der Initiative einzelner. Zudem ist sie ausschliesslich privat organisiert. Die Gemeinde Adligenswil ist bisher nicht als Akteurin aufgetreten, hat in einer grundlegenden Analyse aber festgestellt, dass viel Potenzial vorhanden ist und dass die bereits involvierten Akteurinnen und Akteure sehr engagiert und an einer gesamtheitlichen Weiterentwicklung der frühen Förderung interessiert sind.

Der Gemeinderat hat im Januar 2022 deshalb die Strategie 2022–2027 zur frühen Förderung von Kindern in Adligenswil verabschiedet. Diese basiert auf dem Konzept «Frühe Förderung» des Kantons Luzern aus dem Jahr 2014, einem internen Positionspapier der Abteilung Soziales und Gesellschaft aus dem Jahr 2017 und einer umfassenden Situationsanalyse aus dem Jahr 2020. Damit ist der Weg frei für die Umsetzung des skizzierten Massnahmenplans. Das Strategiepapier kann auf der Website der Gemeinde heruntergeladen werden.

Breiter Massnahmenkatalog

Zu den Massnahmen, die in der Strategie genannt werden, gehören unter anderem regelmässige Elternbildungsangebote im frühkindlichen Bereich, die Verbesserung des öffentlichen Begegnungsraumes und die Schaffung bzw. Wiederbelebung einer Krabbelgruppe, die Bekanntmachung der Parentu-App für Angebote aus dem Vorschulbereich, den Aufbau eines Netzwerkes von Akteurinnen und Akteuren in der frühen Förderung, das aktive Aufsuchen von Familien, die von Angeboten profitieren könnten, wie auch der Aufbau einer Wissensdatenbank und die Durchführung von Informationsveranstaltungen.

Ein wesentlicher Fokus der Massnahmen liegt auf der frühen Sprachförderung nach definierten Qualitätskriterien. Daneben sollen auch Bewegungs- und Ernährungsangebote unterstützt werden, ebenso richtet sich das Augenmerk auf die Früherkennung und zu diesem Zweck auf die Weiterbildung und Sensibilisierung von Fachpersonen, beispielsweise bei Kita- oder Spielgruppenangeboten.

Je später, umso teurer

Kennzeichnend für das Feld der frühen Förderung ist, dass es keine zentrale Institution gibt, die alle Familien erreicht und Zugänge zu Angeboten eröffnet, wie es die Schule ab Kindergartenalter ermöglicht. Die Kinder sind in ihrer frühen Lebensphase sehr stark von ihrem nahen Umfeld abhängig, was auch dazu führt, dass ein Förderbedarf oft nicht erkannt wird.

Mitarbeitende von Kindertagesstätten oder Spielgruppen befinden sich heute auf einem sehr unterschiedlichen Wissenstand. Hebammen, Kinderärztinnen und -ärzte, die Mitarbeitenden der Mütter- und Väterberatung sowie der Jugend- und Familienberatung erkennen den Förderbedarf grundsätzlich sehr gut. Letztlich sind aber auch diese Angebote freiwillig, und es bleibt eine Dunkelziffer von Kindern, deren Förderbedarf erst später entdeckt wird. Je später eine Intervention erfolgt, umso grösser wird der Aufwand zur Wahrung der Chancengerechtigkeit.

Adligenswil setzt Ressourcen ein

Viele der in der Strategie aufgezeigten Massnahmen sind ohne grösseren Aufwand umsetzbar. Andere wiederum bieten ein grosses Potenzial, bedürfen aber finanzieller und personeller Ressourcen. In diese Kategorie fällt auch die frühe Sprachförderung, für die auf politischer Ebene bereits über ein Obligatorium diskutiert wird. Die Kosten hätten auch die Gemeinden zu tragen.

Damit alle Kinder an den Angeboten der frühen Förderung teilnehmen können, werden auch finanzielle Elternbeiträge ausgerichtet. Ausserdem werden in der Abteilung Soziales und Gesellschaft der Gemeinde zehn Stellenprozente für die Umsetzung der Strategie eingesetzt.

Aus der Sicht der Gemeinde Adligenswil ist es gut investiertes Geld. Oder wie es Edith Lang, Dienststellenleiterin Soziales und Gesellschaft des Kantons Luzern, an einer Fachtagung zur frühen Förderung formulierte: «Für jeden Franken, der in die frühe Förderung investiert wird, können später vier Franken für Massnahmen gespart werden.»

Michael Küchler, Abteilungsleiter Soziales und Gesellschaft

Strategie 2022–2027 zur frühen Förderung von Kindern

Übersicht über Betreuungsangebote in Adligenswil

 

Grundsätze der frühen Förderung in Adligenswil

Frühe Förderung ist für chancengerechte Bildungsmöglichkeiten unverzichtbar. Sie ist daher keine isolierte Aufgabe der Familie und der vorschulischen Institutionen, sondern eine Aufgabe des gesamten Bildungssystems.

Frühe Förderung unterstützt Eltern und Erziehende darin, ihren Kindern ein entwicklungsförderliches Umfeld zu schaffen. Sie hilft Eltern mit Migrationshinter-grund, Ängste und Vorbehalte gegenüber schweizerischen Organisationen und Institutionen ab- und Vertrauen aufzubauen.

Kinder aus sozial benachteiligten Milieus profitieren überdurchschnittlich von früher Förderung. Die frühe Förderung wirkt möglichen Folgen von sozialen Ungleichheiten, die von der Schule praktisch nicht mehr ausgeglichen werden können, effektvoll entgegen.

Frühe Förderung ist in ihrer Wirkung nachhaltig. Gefordert sind übergreifende Konzepte und die Neuorientierung der familienergänzenden Betreuung im Vorschulalter. Bildung, Betreuung und Erziehung spielen dabei zusammen. Adligenswil hat deshalb eine Strategie der frühen Förderung verabschiedet.

Die Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund ist zentral. Die Sprachvermittlung erfolgt nicht auf der Grundlage von Leistungskriterien, sondern weckt und fördert im Kind die Freude an der Sprache als Mittel zur Gestaltung seiner persönlichen und sozialen Beziehungen, zur Äusserung seiner Gefühle und Wahrnehmungen seiner Umwelt.

 

Was ist «frühe Förderung»?

Kleine Kinder bilden sich von Anfang an. In Lernprozessen kreieren sie ein Bild von der Welt und erwerben neues Wissen und neue Kompetenzen. Erwachsene haben die Aufgabe, Kinder auf diesem persönlichen Bildungsweg zu begleiten und zu unterstützen.

Frühe Förderung unterstützt ein Kind dann wirkungsvoll in seiner Entwicklung, wenn sie sich am Wohl des Kindes ausrichtet. Verlässliche Bezugspersonen auch ausserhalb der Familie sorgen für das psychische und physische Wohl des Kindes. Sie bieten ihm Struktur und Orientierung und damit die nötige Sicherheit, seine Umwelt zu erkunden.

Merkmale der frühen Förderung

Frühe Förderung

  • richtet sich an alle Kinder ab Geburt bis in die Schuleingangsstufe (0 bis 6).
  • meint die bewussten und aktiven Interaktions-, Beziehungs- und Erziehungskompetenzen der nahen Bezugspersonen zur Anregung kindlicher Bildungsprozesse und zur Gewährleistung von positiver Entwicklung.
  • erfolgt individuell und berücksichtigt die besonderen Bedürfnisse des einzelnen Kindes zum jeweiligen Zeitpunkt.
  • verfolgt als Ziel das Wohl des Kindes, so dass sich alle Kinder optimal entfalten und ihr Potenzial ausschöpfen können.
  • findet innerhalb und ausserhalb der Familie statt.