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Geschichte des Wappens

Hinter dem Gemeindewappen von Adligenswil steckt eine wechselvolle Familiengeschichte – und eine politische Geschichte. Der kampfbereite Löwe über dem goldenen Rad war das Familienwappen der Herren von Bramberg, einem Luzerner Adelsgeschlecht aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Johannes von Bramberg widersetzte sich den Habsburgern. Er war Schultheiss, als Luzern unter seinen Farben in den Waldstätterbund von 1332 eintrat. Adligenswil übernahm später sein Wappen, weil er mit einer Frau verheiratet war, die Besitztum in Adligenswil in die Ehe eingebracht hatte – den Gutshof Stuben.

Links das Siegel von Johannes von Bramberg, 1330; rechts das Wappen von Adligenswil. (Siegel aus: Hans Albrecht von Segesser, Schweizerisches Archiv für Heraldik 40 (1926), Heft 2, S. 77)

«Geteilt von Goldgelb, in der oberen Hälfte ein zum Streit gerichteter schwarzer Löwe mit offenem Rachen, roter Zunge und rotem Auge, den Schwanz über den Rücken geschlagen, in der unteren Hälfte ein goldenes Rad mit acht Speichen.» Anschaulich und präzis beschreibt Hans Meier, was auf dem Wappen der Gemeinde Adligenswil zu sehen ist. Der ehemalige Gemeindeammann (1991 bis 2004) beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Ortsgeschichte und war 2010 auch massgeblich an der Entstehung des Buches über die Geschichte von Adligenswil beteiligt («Zeitraum Adligenswil – eine Ortsgeschichte», siehe Hinweis unten). Dort wird auch die Herkunft des Gemeindewappens erklärt.

Wehrhaftigkeit und Einfluss

Doch was bedeuten der Löwe und das Rad? In der Heraldik steht der Löwe für Mut und Wehrhaftigkeit. Und für Königlichkeit. Auch die Grafen von Habsburg führten den Löwen in ihrem Wappen. In der ursprünglichen Form auf dem Siegel der Herren von Bramberg von 1330 hatte der Löwe noch keine ausgeschlagene Zunge. Diese kam als Ausschmückung generell erst nach 1340 dazu. Keine besondere Bedeutung in der Heraldik hat das Rad. Es ist ein allgemeines Symbol und kann für Handel, Wagenbau oder sinnbildlich für Macht und Einfluss stehen. Johannes von Bramberg verwendete ein Rad mit sechs Speichen. Räder mit acht Speichen, wie heute in Adligenswil, oder mit zwölf Speichen werden in der Wappenkunde auch als Glücksräder angesehen.

Stubenhof war Mitgift

Anhand der mittelalterlichen Quellen lässt sich zumindest ein Teil der Familiengeschichte der Herren von Bramberg nachzeichnen. Johannes von Bramberg entsprang einer Ministerialadelsfamilie, die in den Diensten zunächst des Hofklosters, dann der Habsburger stand und einen festen Bestanteil der Regierungsmannschaft in Luzern bildete – auch Johannes von Bramberg sass von 1328 bis 1333 in der Stadtregierung («Rat der 36»). Bezeugt ist er erstmals 1314, letztmals 1350. Mit ihm erlosch sein Familienstamm.

Interessant für Adligenswil ist seine Verheiratung mit Berchta von Knutwil, die ebenfalls einem Dienstadelsgeschlecht entstammte. «Beli» oder «Beline», wie sie in Urkunden mit ihrem Kurznamen genannt wird, taucht erstmals 1322 als seine «eheliche Wirtin» (Ehefrau) auf. Johannes von Bramberg verpfändet ihr – offenbar als Teil eines Ehevertrages – «für anderhalb hundert pfunt pfenningen» die beiden Kochämter, die er als Lehen von den Benediktinern in Luzern besass. Die beiden Kochämter waren mit Einkünften und Rechten der Küchenmeister des Hofklosters verbunden.

1325 – und hier wird die Verbindung zu Adligenswil hergestellt – verordnen sich die Eheleute in einem weiteren Vertrag gegenseitig die Nutzungsrechte über «das hus ze Stuben und alle die Aeker, die darzuo hörent». In der Urkunde, die von Hetzel von Ongersheim, «Bumeister des Gozhuses ze Luzern», besiegelt und von den Verwandten der Eheleute bezeugt ist, wird «das guot ze Stuben» als die «Morgengabe» (Mitgift) von Berchta von Knutwil bezeichnet.

Stubenhöfe um 1930 (aus: Zeitraum – eine Ortsgeschichte, 2010, S. 115).

Ein herrschaftliches Gut für ein Fasnachtshuhn

14 Jahre später entschliessen sich die Eheleute, ihre gemeinsamen Besitztümer – sowohl den Pfandschilling auf die Kochämter als auch den Stubenhof – an das Hofkloster in Luzern zu übertragen. Dazu wurden zwei Urkunden ausgestellt. Die eigentliche Schenkungsurkunde vom 10. September 1339 trägt das unbeschädigte Siegel von Johannes von Bramberg. Es ist das künftige Gemeindewappen von Adligenswil.

In der zweiten Urkunde, die vier Tage später ausgestellt wird, geht das lebenslange Nutzungsrecht an den Schenkungen zurück an Johannes von Bramberg und an «Beli». Heinrich von Schauenburg, Propst des Kapitels zu Luzern, gibt ihnen Kochämter und Gutshof «ze einem rechten lipgedinge» (Leibgedinge, sozusagen eine Leibrente), allerdings «jerlich zer vasnacht umb ein Huon ze einem genanten zinse».

Wappen als Symbol gegen Habsburg?

Wenig bekannt ist die Rolle, die Johannes von Bramberg in den innerstädtischen Machtkämpfen in Luzern und damit in der Auflehnung gegen die Habsburger spielte. Der starke Mann der habsburgischen Herrscher in Luzern war Walther von Malters. Er amtete seit 1313 als Schultheiss von Luzern. Als er 1327 starb, brach der schwelende Machtkampf in der Stadtregierung zu einem offenen Konflikt aus. 26 der 36 Kleinräte schlossen sich Ritter Jakob von Littau und Johannes von Bramberg an, die sich für eine Annäherung an die drei eidgenössischen Orte einsetzten. Johannes von Bramberg wurde 1328 als Schultheiss gewählt – gegen den Willen des habsburgischen Vogts von Rothenburg. Es war die erste «Verschwörung von Luzern».

Was danach folgte, ist ein massgeblicher Teil der frühen Geschichte der Eidgenossenschaft. Kurz zusammengefasst: 1330 kam es zu einer zweiten Verschwörung, der gesamte Rat stellte sich hinter Johannes von Bramberg. Österreich antwortete mit der Ernennung eines landfremden Emporkömmlings als Ammann von Luzern. Dieser und die österreichischen Parteiführer, insbesondere Johann von Malters und zwei Herren von Meggen, wurden aus der Stadt verbannt. 1332 trat Luzern in den Waldstätterbund mit Uri, Schwyz und Unterwalden ein. Nun hatte die junge Eidgenossenschaft nicht nur ein Scharnier in das Mittelland, nun gehörte ihr erstmals auch ein Städteort an. Noch kürzer zusammengefasst: Es war der Anfang des österreichischen Niedergangs in Luzern, und es war der Anfang des Niedergangs des luzernischen Kleinadels. Denn hinter den Verschwörungen standen nicht zuletzt das Handwerk und das erstarkte Stadtbürgertum, das an die Macht drängte.

Eine letzte Verschwörung ist die bekannte Mordnacht von 1343. Es war ein Aufstand der österreichischen Parteigänger. In diesem Zusammenhang macht Hans Albrecht von Segesser, in einem Beitrag des Schweizerischen Archivs für Heraldik auf einen interessanten Umstand aufmerksam: In den politischen Parteikämpfen manifestierte sich eine «politische Wappensippe». Die österreichischen Parteigänger nahmen das Wappen ihres Führers, Johann von Malters, an – ein Andreaskreuz mit Sternen in Kopf und Fuss des Wappens, wie das heutige Gemeindewappen von Malters.

Auf der anderen Seite gruppierte sich die eidgenössische Partei um Johannes von Bramberg – und um sein Wappen, so Karl Meyer in seinem Beitrag in der Geschichte des Kantons Luzern von 1932. Hartmann von Obernau, ein Mitstreiter von Johannes von Bramberg, trat noch 1343 mit dem Wappen der Herren von Bramberg auf, obwohl er die Seiten vor der Mordnacht gewechselt hatte.

Familien- wird zu Gemeindewappen

Spätestens in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde das «Stuben-Wappen» mit dem Wappen von «Adligenschwil» gleichgesetzt. Rechtlich war Adligenswil weiterhin ein Dinghof des Klosters St. Leodegar mit einem eigenen Hofrecht.

In der Zeit des ausgehenden Mittelalters schwand der politische Einfluss des Klosters. Es war gezwungen, Besitztümer zu veräussern. In der Stadt Luzern kam der sogenannte «Generalauskauf» von 1479 dazu; das Kloster verlor die meisten Hoheitsrechte an die Stadt.

Urbar des Stiftes St.Leodegar, um 1500, mit den Wappen der 16 Dinghöfe (StiALU PAA 175/104).

Was verblieb, hielten die Klosterherren fest – wortwörtlich. Propst Heinrich Vogt war sich der prekären Lage bewusst und liess deshalb eine Sammlung der Besitzrechte des Kollegiatsstifts anlegen. Er wählte die Form einer prunkvollen Handschrift, die auch als Legitimationsinstrument gegenüber den Lehensleuten und der Stadt diente. Das sogenannte «Vogt’sche Urbar» entstand um 1500 und umfasst auch die Wappen der 16 Dinghöfe – oder «Diensthöfe», wie sie dort heissen. Unverkennbar ist das Wappen von Adligenswil, auch wenn der Löwe nach rechts gerichtet ist und das Rad nur fünf Speichen aufweist.

Rund hundert Jahre später, auf der bekannten Luzernerkarte von Hans Heinrich Wägmann und Renward Cysat, blickt der Löwe dann in die «richtige Richtung».

Luzernerkarte von Hans Heinrich Wägmann und Renward Cysat von 1597 bis 1613.

Stefan Ragaz

Quellen und Literatur:

  • Allgemeine Geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz, Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Abteilung I: Urkunden, Band 2, Nr. 1124 (19.8.1322), S.570, Nr. 1295 (24.8.1325), S. 643f., N4.1414 (28.1.1328), S. 690ff., Nr. 1448 (25.12.1328), S. 706f.
  • Allgemeine Geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz, Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Abteilung I: Urkunden, Band 3/1. Hälfte, Nr. 286 (10.9.1339), S. 189f., Nr. 287 (14.9.1339), S. 190f., Nr.519 (20.4.1344), S. 343 Anm. 1.
  • Propst Vogt'sches Urbar, StiALU PAA 175/104.
    Propst Vogt'sches Urbar - Kanton Luzern
  • Die Luzernerkarte von Hans Heinrich Wägmann und Renward Cysat 1597–1613, Original in der Universitätsbibliothek Bern, Signatur ZHB Kart. IX/13.
    Die Luzernerkarte von Hans Heinrich Wägmann und Renward Cysat 1597-1613 - Kanton Luzern
  • Hans Albrecht von Segesser, Schweizerisches Archiv für Heraldik 39 (1925), Heft 3–4, S. 131f.
  • Hans Albrecht von Segesser, Schweizerisches Archiv für Heraldik 40 (1926), Heft 2, S. 77.
  • Karl Meyer, in: Geschichte des Kantons Luzern 1, 1932, S. 405ff.
  • Der Geschichtsfreund 8 (1852), S. 258f., 260f. 262f., 280f.

Mehr über die Geschichte von Adligenswil erfahren Sie in der Ortsgeschichte, die 2010 aus Anlass des 767-Jahr-Jubiläums der Gemeinde publiziert wurde. 1243 war Adligenswil erstmals in einer Urkunde erwähnt worden. «Zeitraum Adligenswil – eine Ortsgeschichte» ist auf der Gemeindeverwaltung oder in der Bibliothek erhältlich. 2020 erschien ein Ergänzungsband. Ortsgeschichte und Ergänzungsband kosten je 20 Franken, zusammen werden sie für 35 Franken abgegeben.