Am 9. Juni 2024 stimmen die Stimmberechtigten der Gemeinden Adligenswil und Meggen über einen Zusammenschluss der Feuerwehrorganisationen ab. Der Adligenswiler Feuerwehrkommandant Patrik Meister äussert sich im Interview zu den Vorteilen eines Zusammenschlusses und dazu, wo er noch Herausforderungen sieht.
Wie stehen Sie zum geplanten Zusammenschluss der Feuerwehren Adligenswil und Meggen?
Patrik Meister: Oberstes Ziel ist – unabhängig von der Form der Zusammenarbeit – bei einem Einsatz das Handeln nach dem gesetzlichen Auftrag und zum Wohle von Mensch, Tier, Umwelt und Sachwert. Kann dies kurz- und mittelfristig nicht mehr zu 100 Prozent gewährleistet werden, müssen Massnahmen getroffen werden. Dies war in Adligenswil und Meggen der Fall. Persönlich erachte ich einen Zusammenschluss der beiden Feuerwehren als langfristig zukunftsweisende Lösung. Denn es können Synergien genutzt werden. Als Beispiel: Bei einem Zusammenschluss kann der Altersdurchschnitt im Kader optimiert werden. Die Jungen können von der Erfahrung der langjährigen Offiziere profitieren, die reiferen Offiziere von der Ausbildungsmethodik der Jungen. Dies ist eine Win-Win-Situation.
Wo sehen Sie beim Zusammenschluss noch Herausforderungen?
Grundsätzlich geht es um die Sache: eine Feuerwehr für zwei Gemeinden. Bei vielen spielt der Faktor Herz und Verbundenheit zur eigenen Gemeinde eine grosse Rolle. Doch ohne Zusammenschluss kämpfen zwei Organisationen mit ihren Herausforderungen. Eine fusionierte Organisation kann die Problematik mit vereinten Kräften angehen.
Wie wurden die Mitglieder der beiden Feuerwehrorganisationen in den Prozess über die Zukunft der Feuerwehren miteinbezogen?
Anhand von Workshops zu acht Themenbereichen, die für jede eingeteilte, interessierte Person zugänglich waren, wurden grundlegende Strukturen erarbeitet, die als Basis der neuen Organisation dienen. Anhand dieser aus der Wehr für die Wehr heraus erarbeiteten Konzepte wurden durch die Projektgruppe das gemeinsame Feuerwehrreglement und der Gemeindevertrag aufgebaut. Die eigentliche Neuorganisation beginnt dann unmittelbar nach der Abstimmung.
Welchen Stellenwert hat für Sie das nun fixierte Aussendepot in Adligenswil?
Rein feuerwehrtechnisch und von den gesetzlichen Vorgaben her wäre ein Aussendepot nicht zwingend. Doch die Versorgungssicherheit von Adligenswil mit seinen gut 5500 Einwohnerinnen und Einwohnern kann mit dem Aussendepot nochmals erhöht werden. Dies anerkennt auch die kantonale Gebäudeversicherung und finanziert aus diesem Grund das Aussendepot mit.
Wie wird nach dem Zusammenschluss bei einem Ernstfall ausgerückt?
Die Einsatzplanung ist ein wichtiges Instrument, mit welchem besondere Objekte wie Kirchen, Gemeinde- und Schulhäuser, abgelegene Höfe, erschwerte Löschwasserzugänge und vieles mehr auf Papier und Tablet mit wichtigen, für die Einsatzleitung unentbehrlichen Informationen festgehalten sind. Eine Harmonisierung beider Datenbanken mit den Gemeindeobjekten ist unabdingbar und wird bereits gepflegt. Bei einem Zusammenschluss erhält der Feuerwehreingeteilte, welcher in Adligenswil wohnhaft ist, einen Spint im Feuerwehrmagazin in Meggen. Er wird aber seine Tasche - wie anhin - zur Verfügung haben und direkt auf den Brandplatz ausrücken.
Könnte die Tagesverfügbarkeit nicht auch ohne Zusammenschluss verbessert werden?
Mit dem Zusammenschluss werden bei einem Ernstfalleinsatz alle verfügbaren Eingeteilten aufgeboten. Langfristig bin ich klar davon überzeugt, dass das Modell «eine Wehr» auch bei der Tagesverfügbarkeit klare Vorzüge aufweisen wird. Es braucht in diesem Bereich diverse Anstrengungen, etwa auch der stärkere Einbezug von Arbeitgebern.
Wie wird die Alarmierung mit dem Zusammenschluss optimiert?
Die Alarmierung während des Tages ist seit einem Jahr bereits zusammengeschaltet. Es gibt verschiedene Optionen, die Alarmierung noch zu optimieren. Die Möglichkeit der Alarmierung mit wechselnden Verfügbarkeiten der Eingeteilten durch Schichtarbeit usw. müssen künftig flexibler eingeplant werden, um das vorhandene Potential besser auszuschöpfen.
Welche Folgen hat der Zusammenschluss für die künftige Rekrutierung von Mitgliedern?
Ein erstes Konzept zur gemeinsamen Rekrutierung wurde in einem Atelier mit den Angehörigen der Feuerwehr erarbeitet. Das neue Rekrutierungskonzept wird gezielter Interessierte ansprechen. Die Kommunikationsplattformen beider Gemeinden werden dabei verstärkt eingebunden.
Die Feuerwehrmitglieder identifizieren sich jeweils stark mit ihrer Feuerwehrorganisation: Wie kann diese Identifikation auch mit der neuen Feuerwehrorganisation sichergestellt werden?
Das Kommando wird mit seinem Führungsstab und der Feuerwehrkommission Konzepte zur Alarmierung und Rekrutierung definieren, Abläufe optimieren, Kaderplanungen und Weiterbildungen weiterentwickeln. Das formt eine gemeinsame Haltung und Identität. Neben der Erfüllung des gesetzlichen Auftrages soll auch die Kameradschaft weiter gepflegt werden. Natürlich werden das Kennenlernen und Zusammenwachsen der Mitglieder der neuen Feuerwehrorganisation etwas Zeit benötigen.
Interview: Roseline Betschart