Seit 20 Jahren werden die rund 30 Naturschutzgebiete im Meggerwald und Underer Wald von einer Gruppe Naturinteressierter betreut. Im Vorfeld hatten Bund und Kantone die einzelnen Gebiete als national oder kantonal bedeutend für den Naturschutz eingeschätzt. Die drei Luzerner Gemeinden Adligenswil, Udligenswil und Meggen schlossen im Jahr 2005 mit der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald zwei Verträge für die Betreuung der Gebiete ab. 2011 wurde die Betreuung zusätzlich auf die Flachmoore im Kanton Schwyz ausgeweitet. Naturschutzexperte Thomas Röösli wurde mit der Bildung und Leitung der Begleitgruppe beauftragt. Im Interview spricht er über seine Tätigkeit in den letzten zwei Jahrzehnten.
Thomas Röösli, seit 20 Jahren koordinieren Sie die Gruppe Naturinteressierter im Meggerwald. Wie blicken Sie auf Ihre bisherige Tätigkeit zurück?
Das ganze Gebiet ist mir in diesen Jahren ans Herz gewachsen. Beim Meggerwald und Underer Wald handelt es sich eigentlich um rund 30 verschiedene Naturschutzgebiete. Zusammen bilden sie ein Mosaik, dessen fachlicher Wert erst erkennbar wird, wenn man das Gebiet als Ganzes begreift. Den meisten Naturschutzgebieten geht es heute gut bis sehr gut.
Welche Projekte waren Ihre Highlights?
Dazu zählt etwa die Weiherlandschaft Obchilermoos, die wir 2013 angelegt haben. Sie hat sich seither toll entwickelt. In den letzten drei Jahren entstanden weitere rund 60 neue Weiher im Meggerwald. Die Weiher sind für Amphibien von grossem Wert und werden rege genutzt.
Wie ist die Begleitgruppe Meggerwald personell aufgestellt und welche Aufgaben hat sie?
Die Gruppe besteht aus zehn Personen aus der Umgebung, die in den Naturschutzgebieten Begehungen durchführen. Allein im Jahr 2025 wurden dafür mehr als 100 Arbeitsstunden aufgewendet. Mit dem Kanton Luzern ist vereinbart, dass alle Gebiete mindestens sieben Mal pro Jahr besucht werden. Ziel ist es dabei, den Zustand und die Entwicklung der Gebiete zu beobachten, bestehende Probleme zu identifizieren und diese aktiv anzugehen. Auch Aufwertungen verschiedener Gebiete werden von den Naturinteressierten angeregt. Ein konkretes Beispiel ist das Zauneidechsenprojekt im Wagenmoos, wofür der Waldrand aufgewertet und Kleinstrukturen mit Totholz angelegt wurden.
Wie hat sich die Arbeit in den letzten 20 Jahren verändert?
Die Bewirtschaftung läuft heute differenzierter. Die Naturschutzverträge zwischen Kanton und Landwirten wurden teils erneuert. Kleinstrukturen haben heute eine grössere Bedeutung als früher. So wurden beispielsweise zahlreiche Waldränder aufgewertet. Diese stellen einen wertvollen Raum für Reptilien, Kleinsäuger und Insekten dar. Auch zusätzliche Gewässer haben zu einer deutlichen Aufwertung beigetragen.
Wo sehen Sie heute die grössten Probleme?
Einen zusätzlichen Effort braucht es bei der Bekämpfung von Neophyten im Gebiet. Erste Erfolge sind zwar sichtbar, aber die Bekämpfung ist schwierig und sehr aufwendig.
Gibt es weitere Herausforderungen?
In gewissen Gebieten müssen wir die Waldbesitzer mahnen, die Pflege nicht zu vernachlässigen. Ein wichtiger Fokus der Begleitgruppe ist es auch, bei Bauarbeiten, etwa an Wegen, frühzeitig in die Planung involviert zu sein. Es ist schön festzustellen, dass wir heute tendenziell früher mit ins Boot geholt werden, um gemeinsam eine gute Lösung zu finden.
Unbefriedigend ist der Zustand der Amphibienanlage Moosried auf Adligenswiler Gemeindegebiet. Wo liegt hier das Problem?
Früher gab es grosse Populationen von Erdkröten und Grasfröschen, die vom Götzental und vom Dottenberg ins Moosried wanderten. Viele davon wurden jedoch auf der Kantonsstrasse überfahren. Um dies zu verhindern, wurde die Amphibienanlage Moosried gebaut. Leider kam die Hilfe zu spät. Die Bestände der Amphibien brachen schon vor dem Bau der Anlage zusammen. Ausserdem sind die Durchlässe nach heutigem Wissensstand viel zu klein. Einzelne sind zu tief gelegen und daher häufig unter Wasser, weshalb sie von den Amphibien nicht genügend genutzt werden. Probleme gibt es auch mit dem Unterhalt. Deswegen befinden wir uns im Austausch mit dem Kanton Luzern.
Wie hat sich das Verhalten der Bevölkerung in den Naturschutzgebieten verändert?
Der Meggerwald ist ein ganz bedeutender Naherholungsraum. Seit der Pandemie hat seine Bedeutung noch zugenommen. Es sind viel mehr Menschen im Wald unterwegs, was teils zu Konflikten führt. Ein Beispiel: Die Totholzhaufen für Zauneidechsen im Wagenmoos waren nach kurzer Zeit verschwunden. Das Holz wurde als Sitzgelegenheit genutzt oder zum Feuermachen. Erfreulich ist, dass das Interesse am Naturschutz insgesamt gestiegen ist. Dies haben wir bei der Umsetzung der Waldweiherprojekte gesehen. Private Waldbesitzer sind heute viel offener, das Verständnis für Biodiversität grösser.
Woran merkt die Bevölkerung, dass es die Begleitgruppe gibt?
Sind wir unterwegs, sprechen wir Personen an, die sich im Naturschutzgebiet befinden. So bitten wir etwa darum, Hunde anzuleinen. Allerdings haben wir keine polizeiliche Funktion und verteilen keine Bussen. Im Vordergrund steht vielmehr die Sensibilisierung. Eine wichtige Aufgabe von uns ist daher auch die Beschilderung der Naturschutzgebiete.
Im nächsten Jahr übergeben Sie die Koordination der Begleitgruppe an Marianne Baruffa – mit welchen Wünschen?
Wir haben in der Gruppe ein sehr gutes, anregendes Verhältnis. Ich wünsche sche Marianne Baruffa, dass dieser Groove in der Gruppe sowie das gute Einvernehmen mit den Gemeindebehörden so erhalten bleiben.
Wie können sich Naturinteressierte beim Schutz des Meggerwalds beteiligen?
Für eine Mitwirkung in der Begleitgruppe können sich Interessierte direkt bei mir melden. Eine weitere Möglichkeit ist der Verein Vielfalter. Dieser ist aus der Initiative von drei Personen der Begleitgruppe entstanden. Immer wieder werden Natureinsätze oder Exkursionen durchgeführt. Der Verein freut sich über Ihre Teilnahme.
Interview: Roseline Betschart