Das neue Legislaturprogramm 2024 bis 2028 scheint auf den ersten Blick wenig aufregend. Dieser Eindruck täuscht, sagt Gemeindepräsident Markus Gabriel im Interview. Vielmehr stehe die Gemeinde vor grossen Veränderungen.
Welches sind die wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen für die nächsten vier Jahre?
Die grössten Herausforderungen liegen im Bereich der personellen Ressourcen. Adligenswil wächst bevölkerungsmässig stark, dazu kommen die zunehmende Digitalisierung und die KI. Zudem nimmt die Komplexität unserer Aufgaben in allen Abteilungen zu. Der Fachkräftemangel hält an, gleichzeitig sind wir in naher Zukunft mehr denn je auf gute Mitarbeitende angewiesen. Nur so können wir unsere Gemeinde weiterentwickeln.
Reichen die rund 37 Vollzeitstellen im Personal der Gemeinde für die Zukunft?
Um den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden und alle gesetzlichen Vorschriften und Richtlinien einzuhalten, brauchen wir eine professionelle Verwaltung, die dies leisten kann. Derzeit fehlen uns noch eine Person im Bereich «Immobilien und Finanzen» und eine Person für das Bauwesen. Es geht aber nicht nur darum, alle Stellen zu besetzen, sondern auch darum, Personalfluktuation zu vermeiden. Denn je eingespielter das Team ist, desto besser ist die Produktivität und das Arbeitsklima. Ganz im Sinne von "nicht nur miteinander, sondern füreinander arbeiten"
Adligenswil hat das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» erhalten, nun möchte der Gemeinderat an die Umsetzung gehen. Was ist konkret geplant?
Adligenswil ist altersdemografisch nach Meggen und Weggis die drittälteste Gemeinde im Kanton Luzern. Diese Situation können wir nur verbessern, wenn es uns gelingt, neue Familien und junge Leute anzusiedeln. Nebst einer guten Schule braucht es attraktiv gestaltete Freiräume mit Spielplätzen, einer fixen oder mobilen Skateranlage evtl. mit Pumptrack und/oder Outdoor-Fitnessanlagen etc. Abklärungen dazu laufen unter anderem über die offene Kinder- und Jugendarbeit «OK-JAA», welche die Bedürfnisse direkt bei den Betroffenen abholt. Persönlich wünsche ich mir einen Treffpunkt in Form eines Generationenparks, wo sich Jung und Alt durch das Angebot begegnen.
Die ärztliche Versorgung beschäftigt viele Adligenswilerinnen. Werden wir auch in vier Jahren genügend Angebote haben?
Das ist eine grosse Herausforderung. Gerne würden wir weitere Hausärzte in der Gemeinde ansiedeln. Bei Anfragen können wir nur bei der Raumsuche behilflich sein. Dazu stehen wir in Kontakt mit Hauseigentümern, die Räumlichkeiten vermieten. Aufgrund des Ärztemangels spielen die Spitexorganisationen eine immer wichtigere Rolle. Mit ihnen stehen wir in engem Kontakt.
In der Bildung ist der Neubau Schulhaus Kehlhof das grösste Thema.
Ja, denn wir bauen in den nächsten zwei Jahren eines der modernsten Schulgebäude, das den heutigen Bildungsbedürfnissen entspricht. Damit werden wir auch für dringend benötigte Lehrkräfte attraktiver.
Der Verkehr nimmt zu, wie begegnen Sie dieser Entwicklung?
In den nächsten Jahren werden wir auf über 6000 Einwohner anwachsen. Jetzt geht es zum einen darum, ein gutes Angebot an Wegen für Fussgänger und Velofahrer zur Verfügung zu stellen. Daran arbeiten wir intensiv in unserem Mobilitätskonzept. Andererseits fokussieren wir uns auf die Anbindung des Individualverkehrs mit dem öffentlichen Verkehr.
Die Ortsplanungsrevision beschäftigt die Menschen, wie geht es damit weiter?
Wir erwarten, dass die Revision bis Ende Jahr vom Regierungsrat genehmigt wird. Mit den neuen Möglichkeiten der Revision wird sich baulich sehr viel verändern, vor allem im Dorfkern, wo fast das ganze Zentrum neugestaltet wird. Da geht in den nächsten Jahren regelrecht die Post ab.
Wie steht es um die Finanzen?
Die finanzielle Situation der Gemeinde ist derzeit gut. Mit dem Bau des neuen Schulhauses für rund 450 Kinder werden diverse gemeindeeigene Gebäude mit grossem Sanierungsbedarf frei. Im Gegenzug werden die Steuereinnahmen durch das Bevölkerungswachstum steigen. Deshalb ist die Weiterentwicklung des Gebäude-Masterplans im Zusammenhang mit der Finanz- und Immobilienstrategie eines der zentralen Themen dieser Legislatur. Wichtig ist, dass der Finanzhaushalt im Gleichgewicht bleibt.
Es ist einiges los in Adligenswil die nächsten vier Jahre. Was ist für Sie das Wichtigste?
Eine Zusammenarbeit zwischen den politischen Parteien, dem Gemeinderat, der Verwaltung und der Bevölkerung in der das «füreinander» gegenüber dem Eigeninteresse in Vordergrund steht.
Interview: Robert Bossart